Nürnberger Epitaphienkunst und -kultur e.V.

Aktuelles

Einem Bescheid des Bayerischen Staatsministers für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst Dr. Ludwig Spaenle vom 4. Januar 2018 zufolge wird die kulturelle Ausdrucksform "Nürnberger Epitaphienkultur" in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Das Bayerische Landesverzeichnis will die Bedeutung regionaler Traditionen stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken und die Vielfalt der bayerischen Kultur verdeutlichen.

Mitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst

Presseartikel Nürnberger Nachrichten 4.1.2018

Presseartikel Nürnberger Zeitung 14.1.2018

In einem Festakt im prachtvollen Großen Saal des Schlosses Schleißheim am 3. Juli 2018 übergab die bayerische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Marion Kiechle die Urkunde für die Neuaufnahme der Nürnberger Epitaphienkunst in das "Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes".


Foto: tba
Diese Würdigung für die Nürnberger Epitaphienkunst mit ihrer fünfhundertjährigen Tradition war der krönende Abschluss eines langen Bewerbungsprozesses, der 2014 durch Dagmar Wöhrl MdB a.D. angestoßen und von dem Epitaphienkünstler Tom Haydn als Hauptantragsteller entschlossen aufgegriffen und von Mitstreitern unterstützt wurde.
Eine sechzehn Teilnehmer zählende Delegation - an der Spitze die Kulturreferentin der Stadt Nürnberg, Prof. Dr. Julia Lehner, hochrangige Vertreter der Evang.-luther. Kirchengemeinde, der Denkmalschutzbehörde und des Vereins - unterstrich die große Bedeutung der Epitaphienkultur für Nürnberg und war Ausdruck des breiten Rückhalts für dieses in dieser Form einmalige Kulturgut.
Tom Haydn, Dr. Claudia Maué, Stadtheimatpflegerin und Vorsitzende des Vereins Nürnberger Epitaphienkunst und -kultur als Mitantragstellerin sowie Georg Reichel, stellvertretender Vorsitzender der neu gegründeten Verbrauchsstiftung Nürnberger Epitaphienstiftung nahmen gemeinsam mit der Kulturreferentin der Stadt Nürnberg, Prof. Dr. Julia Lehner die Urkunde entgegen. Prof. Dr. Julia Lehner sprach von den Epitaphien als besonderen Schatz und lud das Auditorium zur Besichtigung der Epitaphien auf den historischen Friedhöfen St. Johannis und St. Rochus ein.
Wir tun etwas für die Epitaphienkunst und -kultur war die Botschaft der Vorsitzenden des "Nürnberger Epitaphienvereins". "Wir leisten Öffentlichkeitsarbeit in Form von Vorträgen und Führungen, setzen uns für Restaurierungen von beschädigten Epitaphien und für die Digitalisierung der Bestände ein", beschrieb Dr. Maué die Vereinsziele und -aktivitäten. "Der Verein hat in diesem Jahr die Restaurierung von fünf Epitaphien ermöglicht", hob sie hervor und betonte weiter, dass sich der Verein für die Zukunft der Epitaphienkunst in Nürnberg einsetzt.
An öffentlicher Unterstützung und finanziellen Mitteln mangelt es nicht - auch durch die neu gegründete "Nürnberger Epitaphienstiftung". Der Initiator und stellvertretende Vorsitzende der Stiftung, Georg Reichel, betonte, dass man etwas tun wollte für die Epitaphien. Die neue Verbrauchsstiftung stellt Gelder für Restaurierungen zur Verfügung.

Erfolgreiche Vermittlung durch den Verein Nürnberger Epitaphienkunst und -kultur.
Rotary-Club Nürnberg-Kaiserburg übergibt vier restaurierte Epitaphien aus dem 17. Jahrhundert.
Festakt in der St. Johanniskirche (25. Juni 2018)

Ein Gespräch zwischen der Vereinsvorsitzenden Dr. Claudia Maué, dem Präsident des Rotary-Clubs Nürnberg-Kaiserburg, Dr. Christian Schmidt und Epitaphienmacher Tom Haydn, motivierte die Rotarier, zum 500 jährigen Bestehen der historischen Friedhöfe St. Johannis und St. Rochus ein kulturelles Projekt zu realisieren. Die Rotarier finanzierten die Restaurierung von vier Epitaphien aus dem 17. Jahrhundert, die der Vorstand des Vereins aus einer Vorschlagsliste der Friedhofsverwaltung ausgewählt hatte. In seiner launigen Festrede - gereimt und in Nürnberger Mundart - beschrieb Dr. Christian Schmidt die Entstehungsgeschichte des Projektes und betonte, dass der Erfolg möglich wurde, weil alle an einem Strang gezogen haben.
Die Bildsprache der historisch wertvollen Epitaphien erläuterte Dr. Claudia Maué in einem Kurzvortrag und Tom Haydn beschrieb anhand des Schnuck'schen Epitaphs den schwierigen Weg einer Restaurierung. Für den Verein dankte der Schatzmeister Thomas Weitzenfelder den Rotariern für das bürgerschaftliche Engagement. "Der Rotary-Club Nürnberg-Kaiserburg hat mit der Übernahme der Finanzierung der vier Epitaphien ein wichtiges Signal ausgesendet". Das Projekt ist auch Ausdruck gesellschaftlichen Rückhalts für die Nürnberger Epitaphienkultur, die in die bayerische Landesliste des "immateriellen Kulturerbes" aufgenommen wurde. Mehr noch trügen "die Einmaligkeit der Jahrhunderte alten lebendigen Epitaphienkunst - hier vertreten durch Tom Haydn und die Epitaphien selbst - eine europäische Dimension, die bei der Bewerbung Nürnbergs um die Europäische Kulturhauptstadt eine Rolle spielen werde", so der Vertreter des Vereins. Elfi Heider, die Leiterin der Friedhofsverwaltung nahm gemeinsam mit dem 1. Pfarrer Wilmer die Epitaphien entgegen. Sie dankte den Rotariern, Tom Haydn und dem Verein für das Engagement und erinnerte an die große Aufgabe, den großen Epitaphienbestand zu erhalten, wofür es Unterstützung von vielen Seiten bedürfe, wie diese große Maßnahme eindrucksvoll gezeigt habe.

Das Schmuck'sche Epitaph (1613)
Bei diesem Epitaph war der obere Rand abgebrochen und notdürftig wieder angefügt. Die Schäden nahmen witterungsbedingt zu.

Foto: Tom Haydn
Das Schmuck'sche Epitaph stammt aus dem Jahr 1613. Geschaffen wurde es in der Werkstatt des Jakob Weinmann, die generationenlang im Bereich der Epitaphienkunst führend war. Das Epitaph zeigt das Wappen des Kaufmanns Christoph Schnuck und seiner Ehefrau Maria. Im Wappenschild des Ehemanns befinden sich drei Hechte - Schnuck stammte aus den Niederlanden und das holländische Wort für Hecht ist Schnock. Es handelt sich also um ein "redendes" Wappen. Das Wappenschild der Ehefrau zeigt einen kleinen Vogel mit angelegten Flügeln.

Das Epitaph des Virgilius Eighorn (1619)
Das Schriftfeld war linksmittig eingebrochen.

Foto: Tom Haydn
Das Epitaph des Virgilius Eighorn entstand 1619 in der Werkstatt des Jakob Weimann. Der reiche Handelsmann Virgilius Eighorn war einen bedeutende Nürnberger Unternehmerpersönlichkeit. Zwei Jahre bis zu seinem frühen Tod im Alter von 44 Jahren, übte er das Amt eines "Genannten" des "Kleinen Rates" aus. Sein prachtvolles Epitaph zeigt sein Wappen mit den Eichelhörnchen und das seiner Frau mit einem Bären. Über den Wappen die Auferstehung Christi und ganz oben Gottvater.
Eighorn musste im Zuge der Gegenreformation seine Heimatstadt Münnerstadt verlassen. Die große Darstellung der Auferstehung mit bekrönender Figur Gottvaters betont womöglich Eighorns Frömmigkeit.

Das Holtzmann Epitaph (1615)
Dieses Epitaph war mittig komplett gebrochen.

Foto: Tom Haydn
Das Holtzmann Epitaph stammt aus dem Jahr 1615 und wurde ebenfalls in der Werkstatt des Jakob Weinmann hergestellt. Conrad Holtzmann war Pfragner, also ein Kleinhändler. Anscheinend warf sein Geschäft so viel ab, dass er sich ein Grab auf dem St. Johannisfriedhof leisten konnte. Das Epitaph ist allerdings nicht so singulär wie z.b. das Schmuck'sche. Von seiner Art finden sich noch zwölf andere auf dem Friedhof, was für eine gewisse Standardisierung der Kartuschenform spricht.

Das Epitaph des Hans Morgenroth (1615)
Das Schriftfeld war links bis zur Mitte gebrochen.

Foto: Tom Haydn
Das Epitaph des Hans Morgenroth stammt aus dem Jahr 1615. Morgenroth war von Beruf Büchsenmacher, also er stellte Gewehre her, aber nicht nur das, sondern zum Beispiel auch Bärenfallen. Man verschloss damals die Bienenstöcke, die sich in einem Baum befanden, mit einem Brett. Immer wieder versuchten die Bären an den Honig zu kommen, indem sie das Brett wegschlugen. Darum konstruierten die Büchsenmacher eine besondere Apparatur: der Bär erhielt durch einen Hebel einen Schlag auf die Schnauze, sodass er Sternchen sah und die Flucht ergriff. Das Meisterzeichen des Hans Morgenroth war der Bär, das hier humorvoll mit der Bärenvertreibung verbunden wurde.

Veranstaltungen

Aktuelle Veranstaltungen

Ausstellung
500 Jahre Nürnberger Epitaphienkultur. Kunst - Geschichte - Gedenken.

Donnerstag, 18. Oktober - Samstag, 17. November
Ausstellung im "Offenen Büro", Lorenzer Straße 30
Öffnungszeiten: Montag, Dienstag und Donnerstag 8.30 - 15.30 Uhr, Mittwoch und Freitag 8.30 - 12.30 Uhr, Samstag 10 - 15 Uhr
Führungen: Samstag, 3. November, 14 Uhr und Samstag, 17. November, 14 Uhr

Austellungsbericht Nürnberger Nachrichten
Ausstellungsbericht Nürnberger Zeitung



Bisherige Veranstaltungen

Dr. Claudia Maué
Mittagslesung in der Reihe "Gäste und Buch"
Stadtbibliothek Nürnberg
9. November 2018

Renate Trautwein, Nürnberg
Zwischen Bombe und Auferstehung. Die Epitaphien des Johannisfriedhofs.
23. September 2018

Gabriele Hahn - Dr. Claudia Maué
Pflugschar, Pflugreuth, Messersech. Epitaphien für Bauern aus dem Knoblauchsland auf dem St. Johannisfriedhof.
13. Oktober 2018

Eugen Schöler, Schwabach
Wappen auf historischen Epitaphien und Totenschilden, mit einer Einführung in die Heraldik
9. Juni 2018

Informationsveranstaltung auf der "Blauen Nacht"
5. Mai 2018

500 Jahre Friedhöfe St. Johannis und St. Rochus
Benefizkonzert Vokalensemble St. Lorenz
Matthias Ank - Leitung und Orgel
28. April 2018

Dr. Claudia Maué
Mord, Prunksucht und Skandal. Das Grabmal des Johann Schlütter auf dem St. Johannisfriedhof
14. Oktober 2017

Dr. Dorothea Diemer (früher Universität Augsburg)
Die Technik des Bronzegusses am Beispiel des Sebaldusgrabs.
13. Mai 2017

Unser Anliegen

Der im Dezember 2015 gegründete Verein Nürnberger Epitaphienkunst und -kultur e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, die bis in die Gegenwart lebendige, einmalige und international beachtete Nürnberger Kunstform der Grabinschriften und Gedenktafeln zu erhalten. Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts "steuerbegünstigte Zwecke" der Abgabenordnung.

Seit 500 Jahren hinterlassen Nürnberger Bürger durch ihre Epitaphien der Nachwelt individuell gestaltete biografische Botschaften. Rund 6.000 dieser Epitaphien sind auf den historischen Friedhöfen St. Johannis und St. Rochus erhalten. Die Nürnberger Epitaphien bieten als kunst- und kulturhistorische Zeugnisse auf engstem Raum die einmalige Möglichkeit zur Begegnung mit christlicher Symbolik, Heraldik und Formensprache von der Renaissance bis zur Gegenwart.

Der Verein unterstützt Maßnahmen, die den bestehenden, stetig wachsenden Kulturschatz Nürnberger Epitaphien dokumentieren, die durch Zerfall und Vandalismus beschädigten Epitaphien restaurieren und dieses kulturelle Alleinstellungsmerkmal Nürnbergs in die Zukunft führen.





Was sind Epitaphien?

Ausschnitt aus dem Epitaph für den Nürnberger Großkaufmann Martin Peller († 1629) auf dem St. Johannis-Friedhof in Nürnberg. Der Reiter stellt St. Martin dar, seinen Namenspatron.

Die Vereinsaufgaben

Dokumentation

Unterstützung und Förderung von Maßnahmen für eine zeitgemäße Dokumentation des Epitaphienbestands

Erhalt

Restaurierung von Epitaphien
 

Mehr über aktuelle Restaurierungsmaßnahmen

Netzwerk

Kooperation und Vernetzung mit Gremien der Kirche und des Denkmalschutzs in ganz Deutschland

Ausbildung

Unterstützung von Bestrebungen, die Epitaphienkunst als Ausbildung zu institutionalisieren

Öffentlichkeitsarbeit

Kontakt zu Politikern, Meinungsbildern und öffentlichen Einrichtungen

Archiv der bisher erschienenen Presseartikel

Information

Eigene Veranstaltungen
und Unterstützung von Projekten Dritter

Mitglied werden

Mit Ihrer Mitgliedschaft leisten Sie mit wenig Einsatz einen großen Beitrag:

  •   einen einmaligen lebendigen Kulturschatz Nürnbergs zu dokumentieren und zu erhalten,
  •   die Zukunft einer seit 500 Jahren bestehenden Kunstform, die es so nur in Nürnberg gibt, zu sichern,
  •   das Bewusstsein für den Wert und die Besonderheiten der Nürnberger Epitaphien zu steigern.

Sie können zusätzlich zur Mitgliedschaft die fotografische Erfassung eines oder mehrerer Epitaphien nach einem standardisierten Verfahren gesondert unterstützen, oder die Patenschaft für Epitaphien übernehmen, die restauriert werden müssen.

Der Verein übernimmt die Beauftragung für Ihre zweckgebundene Unterstützung. Sie erhalten einen Nachweis über Ihr Engagement und Ihre persönlichen Förderaktivitäten. Sie werden bei zusätzlichen Leistungen auf Wunsch persönlich auf der Homepage des Vereins genannt und als Mitglied regelmäßig über die Aktivitäten des Vereins informiert.

Sie können jederzeit beim Vorstand oder in der jährlichen Mitgliederversammlung Vorschläge für die Mittelverwendung einbringen.

Wissenswertes über Epitaphien

Was sind Epitaphien

Epitaphien - aus dem Griechischen, "am Grab" oder "nahe beim Grab", sind Grabdenkmale für einen oder mehrere Verstorbene. Allgemein versteht man unter Epitaphien gemalte oder plastisch gestaltete Tafeln, die meistens in Kirchen oberhalb der eigentlichen Grabstätte aufgehängt wurden. Nur in Nürnberg bezeichnet man diesem Begriff die reich gestalteten metallenen Relieftafeln auf den liegenden Grabsteinen der alten Friedhöfe. Den strengen Regeln für die Nürnberger Friedhöfe zufolge waren diese Epitaphien der einzige auf den Grabstellen erlaubte Schmuck
Die Epitaphienherstellung garantierte den Nürnberger Gießern - hier Rotschmiede genannt - eine ständige Einnahmequelle. Die wegen ihrer hoch entwickelten Gusstechnik europaweit berühmten Nürnberger Rotschmiede waren teils auch als Modelleure tätig, zogen für aufwändigere und plastisch anspruchsvollere Epitaphien aber auch Bildhauer und Ziseleure hinzu. Ab dem 17. Jahrhundert brachten einige Rotschmiede Signaturen auf ihren Güssen an, während Bildhauer und Ziseleure die Epitaphien in den seltensten Fällen kennzeichneten.


Galerie bemerkenswerter Epitaphien auf den Nürnberger Friedhöfen St. Johannis und St. Rochus.

Galerie


Pläne der Nürnberger Friedhöfe St. Johannis und St. Rochus.
 

Friedhofspläne (Gesamtübersicht)

Detailplan St. Johannis

Detailplan St. Rochus

Kontakt

Schreiben Sie uns, wenn Sie mehr wissen oder dabei sein wollen:
info@epitaphienkultur.de

Nürnberger Epitaphienkunst und -kultur e.V.
Kaulbachstr. 35, 90408 Nürnberg

Kontakt: Dr. Claudia Maué
Vorsitzende
claudia.maue@web.de


Bankverbindung: Flessabank, Bucher Straße 49, 90419 Nürnberg
IBAN: DE64 7933 0111 0000 5101 43